Alena Jabarine
Alena Jabarine
Alena Jabarine

Ich weiß nicht, wann ich begonnen habe, mich selbst zu zensieren, außerhalb meiner SafeSpaces? Wann fühlte ich zum ersten Mal diese Angst, den Selbstschutzmechanismus, der uns davon abhält, frei über Palästina zu sprechen? Über meine Heimat?
Wir alle kennen den Rat, uns zurückzuhalten, wollen wir bestehen, innerhalb der Institutionen. Und so wurden Palästinenser*innen, ich, zu einem unantastbaren Thema. Von Menschen zu einem Problem.
Ich wusste nicht, wie viel Angst ich gehabt hatte, bis ich gezwungen war, mich von ihr zu befreien. Von der Angst angerufen und einbestellt zu werden, mich erklären, rechtfertigen zu müssen, das Herz klopfend, alles in mir rebellierend, denn ich weiß, so soll es nicht sein. Von Wohlwollen, der Integrität derjenigen abhängig zu sein, die in der Hierarchie der Strukturen, innerhalb derer ich mich bewege, über mir standen, die erkennen, was hier passiert, doch auch sie haben Angst, auch ihr Mut hat Grenzen. Ich hielt es aus, viel zu lange, denke ich manchmal, doch vielleicht gerade lang genug, um heute zu wissen, wohin ich nicht hingehöre.
Erst als ich mich befreite, verstand ich, wie sehr ich mich verbogen hatte. Perfektioniert hatte, über Eis zu gehen, über Scherbenhaufen, Grenzen zu erweitern, ohne jemanden zu irritieren, ohne Böswilligen die Möglichkeit zu bieten, mich zu verletzen, dabei würdevoll bleiben, lächelnd, während alles in mir drin schreit. Doch ich unterdrücke dieses Bedürfnis, denn ich gönne ihnen meine Emotionen nicht. Die Mauern, die ich einzureißen vermochte, standen in keinem Verhältnis zu dem, was hinter viel größeren Mauern und doch für uns alle sichtbar geschieht.
Als ich die Institution verließ und vor einem leeren Blatt Papier saß, um ich zu sein, meine Wahrheit zu sprechen, dauerte es, bis ich begann, meine Silhouette zu erkennen. Hinter Schichten um Schichten des Zurückhaltens, Herunterschluckens, Abwägens. Des strategischen Formulierens, während Menschen, die ich liebe, unter Trümmern ersticken. An sie dachte ich, wenn ich auf Bühnen saß, als einzige meiner Art, die wenigen Minuten, die mir zur Verfügung standen, damit verbringend, die Worte der anderen geradezurücken, und so nie dazu kommend, meine eigenen Gedanken zu teilen.

„The function, the very serious function of racism is distraction,“ sagt Toni Morrison. „It keeps you from doing your work. It keeps you explaining, over and over again, your reason for being.“ Sie endet mit: „None of this is necessary. There will always be one more thing.“ Denn es hört niemals auf.

Die Unmöglichkeit für mich, weiterzumachen in dem System, zu dem ich in Wahrheit nicht gehörte, ist das größte Geschenk, was ich mir gemacht habe. Denn du verlierst dich, wenn jeder dir suggeriert, dass das, was du bist, siehst, fühlst, nicht wahr ist. Nicht zählt. Dich selbst zu erhalten in feindlichen Räumen, denen wir uns nie vollständig entziehen können, ist vielleicht ein lebenslanger Prozess. Und für mich heute die höchste Form des Widerstands.
Was würdest du schreiben, wenn du keine Angst hättest, welche Kunst kreieren, welche Worte würdest du wählen? Und welche Worte wählst du heute?


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