Miedya Mahmood, Kein Versteck der globalen Mehrheit
Miedya Mahmood, Kein Versteck der globalen Mehrheit
Miedya Mahmod
Kein Versteck der globalen Mehrheit
Kein Versteck der globalen Mehrheit
| „Bei meinen frühesten Versuchen zu schreiben dachte ich nur an meine eigene Existenz. Das war die Zeit der Emigration und des Krieges. Ich gehörte nirgendwo hin und machte aus diesem Nichtgehören eine Tugend. Mein Engagement bestand darin, mich nicht in einer Auseinandersetzung zu engagieren, die meiner Ansicht nach wahnsinnig war. Selbst wenn die ganze Welt sich zu einem Kampf auf Leben und Tod in zwei Lager trennte, würde ich versuchen, mich nicht einzumischen. Ich würde mich so lange wie möglich in ein Versteck eingraben; denn ich konnte keine Ideologie erkennen, die mir das Opfer meines Lebens wert war. (…) ich machte Kunst in meinem Zufluchtsort, während die Welt in Stücke fiel (…) So war ein Engagement für die Kunst, wenn auch im Bewusstsein des Verderbens ringsum, zur gleichen Zeit ein Engagement für die Zerstörung; und so lange ich fühlte, dass ich mit meiner Kunst fortfahren könnte, ohne mich um den Rest zu kümmern, war ich ein Teil des Verderbens.“ I Come Out of My Hiding Place,
Rede von Peter Weiss, gehalten am 5. April 1966 an der Princeton University. |
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Eigentlich sollte ich jetzt loslegen. Vielleicht mich, uns, die historischen Aufgaben, vor denen wir stehen, die staatlichen Ausgaben, die stehen, und andere, die fallen, ein bisschen vorstellen. Fragen stellen wie „Was steht schon auf dem Spiel?“, und „Bist du ein guter Verlierer, Genoss*in?“. Uns beteuern, dass das zählt, was wir tun. Dass ich gerade noch nicht sehe, wie, weil ich generell gerade sehr wenig losgehe, losziehe und sehe. Weil gerade Vieles von mir im Außen wabert, sich gespenstisch präsent fühlt, dort wo die Abwesenheit regiert, nein, zur Waffe wird, und ich wirklich wenig von Pflichten halte, vor allem von denen, die gerade die Schlagzeilen dominieren wie Stöcke den Körper des Demonstrierenden. Weil gerade Vieles im Inneren kriminalisiert wird, zum Beispiel das Sehen selbst. Aber ich möchte nichts beteuern, meine Sätze treiben sich schon von selbst in die Armut wie Namen ins Meer treiben, wie Vertriebene nicht benannt werden, wie mir fehlt da schon wieder, mir fehlen, ich verliere nicht die Worte, oder? Oder? Sie werden geraubt, will ich mir erzählen, wissend, dass das heißt, dass nicht alle weg sein können, dass das heißt, mein Schweigen niemandes Wangen streicheln. Eigentlich sollte ich jetzt nicht hier sitzen. Eigentlich fehlt an vielen Tagen die Kraft. Eigentlich schäme ich mich, das zu sagen, und dann nochmal, weil ich weiß, dass die wahrlich Schamlosen das nie tun, also Demut haben, und dann sollte ich ja nicht, also von sowas Banalem wie Scham, also, womit erschöpft man sich denn noch obendrauf. Also eigentlich sollte ich uns beteuern, dass das zählt, was wir tun. Dass ich gerade noch nicht sehe, wie, weil ich generell gerade sehr wenig losgehe, losziehe, sehe. Weil gerade Vieles von mir mit den Welten zerfällt, mit den Bibliotheken, den Krankenhäusern, Schulen, den Olivenbäumen, die sie nicht nur fällen, sondern an Wurzeln ausreißen, immer zu geht es um Land, immerzu irgendwas im Namen der Nation, im Namen ihrer Götter, im Namen der Alternativlosigkeit, im Namen des Todeskults. Dieser Absatz muss mit den Welten zerfallen, mit den vertrockneten Flussbetten im Zweistromland, dem verbotenen Thymian am Jordan, dem zerbombten Café in Hroza, dem zerbombten Café in Al-Baqa, dem gebliebenen Straßenreiniger in Distrikt Heshda, den geschmuggelten Briefen aus Evin, dem vergessenen Hunger in Nyala, Al-Ubayyid, Kassala, Kaduqli, Khartoum, dem verschimmelten Mehlsack, den Maden, muss zerfallen, zerfasern, muss, du musst, reiß dich zusammen, reiß dich auseinander. Weil gerade Vieles von mir im Außen wabert, sich gespenstisch präsent fühlt und sich verpflichtet fühlt, nicht wegzuschauen, dort wo die Abwesenheit regiert, das heißt ausradiert, das heißt zur Waffe wird, und ich halte wirklich wenig von Pflichten. Sprich’s aus: Ich bin untröstlich und ich weiß nicht, ob das von Wert ist für unsere heutige, gemeinsame Sache. Demütig teilen wir die Suppe, aber jeder Löffel kann nur von einem gegessen werden, verstehst du? Wir müssen über den Geschmack sprechen, über den Raum und die Zeit, denn sie ist geteilt im Sinne der Gemeinschaft. Wir müssen essen wie wir sprechen, vom Anderen her gegeben. Bevor ich lernte zu essen, wurde ich gefüttert. Bevor ich lernte zu sprechen, wurde ich gefüttert. Bevor ich lernte zu sagen was ist, wurde mir zugesprochen, dass da was ist, wer ist. Bevor ich mich im Außen, im Anderen verliere (nein, das heißt, nicht zurückkehre), kurz zurück zu dir:mir: Jedes Aktivwerden beginnt mit der Beteuerung des eigenen Werts. Der Welt, dem Planetarischen gegenüber. Sich selbst gegenüber. Es ist schwer für sich einzutreten, hält man sich selbst für minderwertig. Das ist Arbeit. Und es ist noch schwieriger nachsichtig zu sein, wird der eigene Wert in Frage gestellt. Das ist Schwerstarbeit. Nachsicht gelingt dir fast nie. Sprung 1968: „Wir mussten die Drecksarbeit machen,“ sagt SS-Obersturmführer August Häfner vor Gericht über das Massaker von Babi Jar, das auf die sogenannte „Evakuierung“ der jüdischen Bevölkerung erfolgte. Jetzt: Komm dahin zurück, wo die Gleichklänge liegen; los Gestern wird Morgen, heute Nacht lagst du wieder hellwach. Wärst du nachsichtig mit dir, hättest du den letzten Auftrag abgesagt. Hättest den Auftritt schon irgendwie gefüllt mit einem Mash-Up aus alten Sätzen, unveröffentlichten Gedichten, aus den Phrasen, die wir uns, im Zuge einer weltweiten Pandemie, die heute wie in Nebel gehüllt zur Vergangenheit geschoben wird, immer wieder vorbeteten, als einmal mehr und den letzten klar hätte werden müssen, wo die Prioritäten der herrschenden Klasse liegen und wer den Preis zahlt. Scheiß auf Kohärenz, hauptsache Trost. Aber: Du bist gerade untröstlich und weißt einfach nicht, ob das von Wert ist für unsere heutige, gemeinsame Sache. Du bist wütend und traurig und besorgt. Du bist krank, müde, erschöpft. Wäre ich nachsichtig mit mir, würde ich meinem Schreiben alle Fassungslosigkeit zugestehen. Als Lyriker*in aber bin ich der Form verpflichtet. Fassungslosigkeit kann eine Facette des Schweigens sein. Vermutlich seine unschuldigste. Schweigen aber ist womöglich die gefährlichste Form des Schreibens. Ich könnte ein herrliches Gedicht schreiben, eines, das dazu aufruft, uns in den Armen zu liegen wie ein Reim. Ein Gedicht, nur Laute und Zwitschern, das keiner versteht, aber ein Rhythmus so schön, so tragend, beruhigt wäre man nur noch sich selbst auf den eingelullten Fersen, jede, jeder dem Eigenen am nächsten. „In order for me to write poetry that isn’t political, I must listen to the birds, and in order to hear the birds, the war planes must be silent“ schreibt ein anderer Mensch des Wortes, Marwan Makhoul. Manchmal glaube ich, ansonsten lockere Agnostiker*in, dass die Erbsünde der Gemeinschaft, die Fixierung auf „das Andere“ ist. Dann wieder: Essen und Sprechen haben ihre Herkunft im Anderen. Ich esse, weil einst wer essen mit mir teilte. Damit ich spreche, muss wer mit mir sprechen. Manchmal glaube ich, dass andere Vorstellungen von Gemeinschaft als die ego-, familien-, nationenzentrierte der Staatsfeind per se sind. Um Gedichte zu schreiben, die nicht politisch sind, muss ich den Vögeln zuhören, und um die Vögel zu hören, müssen die Kriegsflugzeuge verstummen. Versteht ihr das, Polizeihelikopter, Passagierflugzeuge, Drachen, Drohnen? Hört mich da oben wer? Ich könnte, muss es, trotzdem versuchen, so, zum Beispiel, und wenn es nur ist, um herauszufinden aus dem Schweigen, hineinzutreten in ein Gespräch, wo ich gerade mit keinem Menschen sprechen will, der nicht bangt um Freund*innen, Familie, einen Frieden, der nicht auf dem Rücken der Verdammten dieser Erde ausgefochten wird. Los geht’s. Seit Stunde 0, das Ende der Geschichte und mein Geburtsdatum liegen auffällig nah beieinander. Sei 1 und feier mit kleiner Kinder-Cola vom Aldi, Dortmunder Nordstadt, einer TK-Torte mit Elefantenemblem, ich vergesse mittlerweile alles, auch wofür Elefanten bekannt sind. Seit zwei Jahren höre ich nichts mehr, was mich nicht anspannt, anstrengt, angeht. Seid zwei, werdet geeint, seid drei, eine Party, organisiert euch, werdet vier, abseits der Partei, in alle Himmelsrichtungen verstreut, das heißt beraubt, bedroht, bereit, teile das Land wie das rote Meer und sieh, wie nur der Gottesfürchtige eine Geschichte der Teilung erzählen kann, bei der keiner umkommt. Seit fünf Generationen Wohlstand durch Anstand, seid euch sicher, ein Aufstand der Anständigen kann nur der Gesichtswahrung der Bürgerlichen dienen. Seid anständig. Seid Firmen. Seid Körperschaften, Corporate Bodybuilder, seid Macher, Schaffer, Wirtschaftskraft, seid die Unterschrift am Firmament der Rechtsformen. Seid Gefestigt, seid geglaubt. Seid Gläubiger. Seid mubarek bi. Eidebestattliche Destabilisierer. Sei auf den Barrikaden, zünd die Kerzen wieder an, die sie ausgetreten haben. Warte vor den Grenzen mit Medikamenten, Proviant, Bargeld, offenen Armen. Blinzel durch die Zäune, wink den Nachbar*innen mit unsicherem Aufenthalt. Zwinker den Geschwistern zu, deren Land sie ebenso stahlen. Manchmal träumst du mit wem gemeinsam davon, sich für immer hinzulegen. Ins Gras, das trotzt. Wo die Halme flüstern: Wir flimmern. Blüten sagen: Wir träumen. Wurzeln pochen: Wir bleiben. Nicht im Zentrum. Nicht im Glanz. Nicht im Hochhaus KaDeWe Breuninger Mall Shopping Center. Aber auch: Nicht in Trümmern, in Ruinen, zwischen Bomben, Beton und Drohnenpingpong— Sei gegen das Los, von dem sie behaupten, es sei dir auf natürliche und gerechte Art gegeben. Sprung auf Dayas Balkon, am Rande des Ruhrgebiet, eingebettet von A1, A46 und A45. Meine Tante schreibt, dass der Himmel über Hewler nachts zum leuchtfeuerglühenden Tennismatch wird. Daya zeigt mir ein Meme, so passend wie unpassend zur Lage. Mein Partner schreibt unserem Übersetzer in Mahabad, dass wenn er mehr Zeit braucht wegen der Lage im Land, das natürlich voll verständlich ist. Ein deutscher Journalist schreibt irgendwo irgendein Meinungsstück über Befreiung, reißt dabei den kurdischen Slogan der Frauen- und Arbeiter*innenbewegung, Jin Jiyan Azadi (Frauen Leben Freiheit), aus jedweden Kontext und klopft sich danach wahrscheinlich noch heftig auf die Schulter, weil er so ein guter Feminist ist, so gut, selbst Kriegstreiberei wird zur Revolution fürs Leben erklärt. Ein Kollege, der von sich sagt, „organisiert“ zu sein und damit vermutlich sowas wie PEN Deutschland meint, labert irgendwas von Roland Barthes blabla Tod des Autors blabla und meint damit nicht die getöteten Autor*innen, Journalist*innen, Kolleg*innen. Lies: Mindestens 242 Journalist*innen allein seit dem 7. Oktober. Lies: keine Zahlen zu Künstler*innen, Poet*innen, Kolleg*innen. Lies: Ein Gedicht von Hiba Abu Nada, Refaat Alareer, Ashraf Fayadh. Sag jetzt nichts. Schreib ihre Namen auf. Lies ihre Gedichte später. Hiba Abu Nada, Refaat Alareer, Ashraf Fayadh. (Frag dich, warum du sie nicht sicher buchstabierst) Lies Gedichte gegen das Gift der Headlines, gegen die Kopfschmerzen, gegen das gebrochene Herz. Lies ihre Gedichte wie die Schmerzmittel, die verwehrt werden. Vergifte dich ein wenig. Nur ein wenig, nicht zur Betäubung, nicht zur Immunisierung, nur so. Stoß an, für das Leben, Tod dem Faschismus, stoß dich dran. Los. Sag: Zustrombegrenzungsgesetz Sag: Rückführungen Sag: Abschiebehaft Sag: Aufnahmestopp Sag: Präventivschlag Sag: Aufrüstung Aufrüstung Aufrüstung Sag: Zivilisationskrieg, Entschlossenheitstest für den Westen, Befreiungsschlag Sag: Legitime militärische Ziele Sag: Rekordwert bei deutschen Rüstungsexporten Sag: Schengen, Dublin, Balkanroute, Frontex Sag: Obergrenze, Leitkultur, Heimatministerium, verpflichtende Sprachtests, Obergrenze Obergrenze, Obergrenze Sag: Massenvernichtungswaffen, War on Terror, Achse des Bösen Sag: Exakt genau das, was Pressesprecher von Armeen dazu sagen Sag: Evakuierung, Aufnahmestopp, geht einer zum Arzt… Sag: SCHÄTZFRAGE wie viel Verachtung haben sie für uns Sag: Terrorgruppe, Geschlechterapartheid Sag: Herrschaft, Regime, Regierung, Zirkuszelt Sag: Bodenschatzfrage, Gasabkommen, Abschiebeabkommen Sag: Anerkennung, 2 for one offer, great deal, dealmaker, Verhandlungen abgebrochen Sag: Kommst du vom Weg ab? Sag: Das sind ja ganz verschiedene Themen, es ist kompliziert komplex zu viel Konkurrenz in der Aufmerksamkeitsökonomie, das eine hat ja nichts mit dem anderen, und: aber es gibt immer irgendwie was wichtigeres zu tun Sag: Irreguläre Migration Streich: Gelder für Seenotrettung Konzentrier dich noch etwas, ich weiß, es ist heiß, sag: Sicherheitscheck, Auffanglager, Humanitäre Stadt Sag: Was sie alles sagbar gemacht haben, war nie verschwunden, war immer da Sag: Worüber wir schweigen sollen, raun etwas über vorauseilenden Gehorsam, staun über die Selbstzensur, denk nach über Kompliz*innenschaft |
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Sag: Khelas Tewaw Bessa Bes Sag: Drecksarbeit. Sag mir, was haben sie gemacht aus uns, wen achtet diese Sprache außer den Befehl? Sag mir, wie ich die Sorge um die Menschen beiseite schieben kann, um mich endlich wieder um die Sätze zu sorgen, um die Gewalt, die ihnen innewohnt. Ich schreibe immer weniger, und immer öfter gegen die Wand, den Zaun, die Mauer. Wenn ich dir eine Frage stelle heute, dann nur diese: Was tun gegen diesen Verrat der Sprache? „This is precisely the time when artists go to work. There is no time for despair, no place for self-pity, no need for silence, no room for fear. We speak. We WRITE, we do language. That is how civilizations heal.“ höre ich Toni Morrison in mir, liebevoll aus einer eigenen Zeit der Sprachlosigkeit und Depression, der Verzweiflung und Scham darüber, schreibend. Wenn ich allen Schmuck und Betrieb und Szene subtrahiere, ist Kunst für mich dort, wo an einer Ästhetik des Widerstands gearbeitet wird. Ist Widerstand dort für mich, wo getrotzt wird, trotz allem. Zurück zu Weiss, fast ein Jahrzehnt vor der Fertigstellung des ersten Bandes seiner vor 50 Jahren erschienen Ästhetik des Widerstands: „Nun gab es die Anschauung, dass der Autor sich aus politischer Anteilnahme heraushalten sollte, dass er derjenige sein sollte, der die Objektivität lebendig erhält, da er sowohl das Positive als auch das Negative an den Kräften, die in den allumfassenden Kampf verwickelt sind, sehen sollte. Aber war das Leben nicht zu kurz für diese Objektivität? War das nicht nur eine andere Lüge, um nicht verbrannt zu werden? Es gab eine entscheidende Frage: Wer braucht meine Arbeit und kann mein Schreiben helfen, die Umgebung bewohnbarer zu machen? I Come Out of My Hiding Place, Rede von Peter Weiss, gehalten am 5. April 1966 an der Princeton University. Und damit: Vielen Dank an all die, die die wahre Drecksarbeit machen in Deutschland. An meine Eltern, mit ihren systemrelevanten Jobs, mit ihren Einbürgerungstests und Jahren in illegalisierter Arbeit, weil wir sie brauchen, diese Arbeit unter Strafe und ohne Recht. Die Pflegekräfte, die Sorgearbeiter*innen, Menschen in Ämtern, die andere Menschen nicht als Fall, Serienzeichen, Problem behandeln, Menschen, die zu diesen Ämtern gehen, Tag ein Tag aus, und sich wie Dreck behandeln lassen. Menschen auf Demonstrationen, die die Polizei nicht schützt, sondern drangsaliert, provoziert, auflöst. Menschen, die die Drecksarbeit für eine Wirtschaft gemacht haben, die nie mehr waren als das für dieses Land, Arbeitskräfte. Drecksarbeitskräfte. Danke an all die Menschen, die die Drecksarbeit machen, internationale ethische und juristische Standards zu verteidigen, die bis heute auf ihre Gültigkeit für alle statt für wenige warten. Danke an Künstler*innen, die wissen, wer die Waffen produziert, wo sie erprobt werden, die sie kennen, fürchten, die näher am Tod stehen als am Leben und genau deswegen ihren Werten, diesem Kult nicht anhängen, die trotzdem schreiben, trotzdem sprechen, trotzdem in Bewegung bleiben, Farben finden, Formen suchen, Räume einnehmen, anonym wie öffentlich, in vermeintlicher Sicherheit, in akuter Bedrohungslage, in No-Go Areas… Sprung zurück, Morrison: „not when everything is fine, but in times of dread. That’s our job! [...] I recalled the artists who had done their work in gulags, prison cells, hospital beds; who did their work while hounded, exiled, reviled, pilloried. And those who were executed.“‘ „This is precisely the time,“ in der Künstler*innen an die Arbeit gehen. Die Arbeit liegt in der Strecke zwischen mir und dir. In der Nähe, der Distanz. Nicht im Vergleich, in der Gleichzeitigkeit, nicht in der Kreuzung, sondern der Überwindung dieser. |
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| Ein letzter Mensch des Wortes, mit dem ich die Suppe nicht teilen kann, nicht über ihren Geschmack sprechen, nicht mit sein kann, und deswegen nur wieder und wieder anrufen, wissend, dass ich es bin, die nicht dran geht, muss ergänzen, wo diese Sprache, des Befehls, aber auch: der Übersetzung, längst jeden Verrat begangen hat, ständig versuche ich trotzdem noch darin Verluste zu beklagen, nach Vergebung zu graben, bo Jyani Azadi Hunger, der die Sprache besiegt von Husam Maarouf, Gaza, Mai 2025 |
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